Angetanzt in Barcelona

Als ich vor ein paar Wochen in Barcelona war, hatte ich das ungewollte Vergnügen mit einem sehr populären Taschendieb-Trick Bekanntschaft zu machen. Vom Antänzer-Trick hatte ich schonmal in den Boulevard-Sendungen gehört. Und ich weiß, als ich darüber im TV Berichte sah, dachte ich mir, passiert mir nicht, ist ja offensichtlich was die Jungs vorhaben. Nun ja.

Wie gesagt war ich im Mai in Barcelona. Bei tropischen Temperaturen gab es mehrere Bier am Strand, bis wir gegen 1 Uhr den Strand verließen und den beliebten Hafen passierten. In der bei Touristen beliebten Meile hatte ich noch ein Eis – und dann noch ein Bier, welches mir  der Kioskbesitzer zur späten Stunde nicht mehr hätte verkaufen dürfen.

Mit dem Bier in der rechten Hand, wurden wir an einer etwas engeren Stelle des Bürgersteigs von einer Person angesprochen, ob wir nicht Lust auf einen Salsa Club hätten. Er hielt uns bzw. mir einen Flyer vor die Nase und ich habe freundlich abgewunken. Das hielt ihn natürlich nicht ab und schon hing er neben mir und meinte, bissel dancing salsa blablabla wäre doch was. Eh ich mich versah, hatte der Kollege seine linke Hand auf meiner linken Schulter und sein rechtes Bein zwischen meine Beine gestellt – alles ganz friedlich und mit fortgesetztem Gequatsche… Nachdem ich auf Körperkontakt nun doch etwas genervt reagierte, ließ er von mir ab und verschwand aus meinem Sichtfeld. Situation gemeistert. Dachte ich.

Nun habe ich mir in den letzten Jahren angewöhnt, mich nach „komischen Situationen“ instinktiv abzutasten. Zigaretten da, Geld da, Handy…? Handy? Ok Handy nicht da. Wo ist mein Handy? Direkt während dieser Erkenntnis drehte ich mich um, da mir schon einfiel wo es sein könnte.

Und jetzt die Überraschung. Ich weiß nicht mehr genau, ob es mir der „Kollege“ direkt vor die Nase hielt, oder ob er es erst nach meinem Blick hoch hielt. Jedenfalls ging die Situation folgendermaßen zu Ende: Ich drehte mich um, sah mein Handy mir leuchtend entgegengehalten und griff zu. Kurzer Check ob es meins ist und weiter gings. Ich hatte vielleicht 8 Bier über den Abend getrunken, wirkte aber nicht sehr betrunken. Dennoch habe ich wohl einige Zeit gebraucht um zu verstehen, dass ich gerade mit einem sehr blauen Auge an einen Taschendieb geraten war. Ich weiß nicht, aus welchem Grund ich mein Handy zurück bekommen habe. Vielleicht hatte er Feierabend und wollte nur spielen, oder ich wirkte auf Ihn als würde ich ihm noch nachlaufen können. Ich habe die halbe Nacht darüber nachgedacht. Jedenfalls war ich sehr beeindruckt. Ich habe nichts, wirklich nichts gespürt. Kann an der recht lockeren kurzen Hose gelegen haben, aber dennoch. War ein geschicktes Händchen am Werk.

Was habe ich aus dieser Begegnung gelernt? Einiges. Den Antänzertrick gibts nicht nur in Kölner Fussgängerzonen, den gibt es im Zweifel überall wo Leute sind. Ausserdem, wenn man mit ner Bierdose Nachts um 1 durch eine Touristenmetropole läuft, zeigt man sich einerseits als potentielles Ziel, und andererseits fehlt einem einfach eine Hand. Normalerweise gehen in komischen Situationen meine Hände immer Richtung Tasche/Wertgegenstände. Blöd wenn man ein Bier in der Hand hat. Auch hab ich durch den zuerst vor die Nase gehaltenen Flyer überhaupt nicht mit Taschendieben gerechnet… der Flyer hat mich völlig von „bösen“ Gedanken abgehalten, viel hab ich sicher nicht gedacht, aber der Flyer war die perfekte Ablenkung. Wenn mir solche Situationen mal wieder unterkommen, werde ich noch mehr versuchen Abstand zu halten. Notfalls auch etwas deutlicher. Für mich steht jetzt erstmal fest, wer mir zu nah kommt, der will was – ist leider so. D.h. wenn ich früher deutlicher klar mache, dass ich das nicht will und v.a. Situationen wie eine Umarmung vermeide, reduziere ich mein Risiko deutlich. Umarmungen sollte man gar nicht erst zulassen, notfalls rigide abbrechen, schließlich hat er mich in der Situation überrumpelt. Auch war ich nicht allein. Meine Begleitung ging eher einen Schritt zurück als dazwischen – wenn man auf diese Weise angesprochen wird, muss auch die Begleitung aufmerksam sein, dazwischen gehen oder wenigstens laut stark „hau ab“ signalisieren, um den „Angreifer“ etwas einzuschüchtern. Das ist leider nicht die feine Art, wenn man jeden der sich einem deutlich nährt gleich laufstark von sich weist, aber ich denke unter 50 cm Abstand, muss man einfach mit unangenehmer Absicht rechnen.

Ich bin erstmal froh, dass ich in dieser Situation in Barcelona offensichtlich etwas mehr Glück als Verstand hatte, und meinen Urlaub nicht ohne Handy beenden musste.

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