Der Hoteltester in uns

Bei meinem letzten Hotelaufenthalt in Sassnitz auf der Insel Rügen ertappte ich mich wieder dabei. Ich ging durch das Hotel und habe während des gesamten Aufenthalts (ok, nur eine Nacht) gedanklich schon an der Bewertung meines Aufenthalts gearbeitet. Gearbeitet ist nicht übertrieben, denn es hat in mir tatsächlich gearbeitet. Nicht dass ich zum Spaß im Urlaub nur darüber nachdenke wie man ein Hotel wohl bewerten solle…

Bei dem Hotel handelte es sich um ein vor – sagen wir mal – 30 Jahren sicherlich richtig gutes Haus. Heute ist es ein hässlicher Block in guter Lage, mit auf den ersten Blick guter Ausstattung – Schwimmbad inklusive und reichhaltiges Frühstück im 9. Stock mit Blick auf die Ostsee; ein paar kostenlose Parkplätze gab es auch. Soweit so fünf Sterne. Leider standen diesen kleinen Feinheiten auch ein paar Nachteile gegenüber: Das Haus wurde offensichtlich vor 20 Jahren oder irgendwann kurz nach der Wende zu letzt im grösseren Stil renoviert. Die Zimmer haben den Charme eines alten Rehazentrums, die massiven Türen ändern nichts an der Hellhörigkeit des Zimmers – im Gegenteil, wenn die Nachbarn ihre schweren Türen zu schließen versuchten, war das nicht zu überhören. Vom äußeren Anblick des Hotels ganz zu schweigen: der Balkon verrostet, die Fassade so grau wie die Geschichte.

Und das war nun also mein Dilemma. Ohne dass ich es wollte, ging in meinem Kopf das Pendel ständig hin und her. Gutes Hotel, schlechtes Hotel, gutes Hotel, schlechtes Hotel…. keine Ahnung, was für Prozesse im Hirn dafür verantwortlich sind, aber es hat mich offensichtlich schwer beschäftigt, was ich am Ende über das Hotel schreiben werde. Am Ende kam bei booking.com eine 7,5 heraus. Ich weiß natürlich nicht, wie diese 7,5 Bewertung im Detail entstanden ist, letztlich spiegelt sie aber schon meine Wertung für das Hotel wieder. (Unter der Annahme, dass man unter 5 von 10 Punkten sowieso nur kommt, wenn man das Hotel ohne zu bleiben sofort wieder verlässt.) Definitiv nicht gut, aber eben auch nicht schlecht – und ich habe die Bewertung endlich abgegeben und hab es wieder aus dem Kopf.

Dieses Phänomen, habe ich bei mir schon vor längerer Zeit festgestellt. Gerade bei Hotels mit – sagen wir mal deutlichem „pro und contra“, arbeitet es unbewusst in mir, bis ich meine Bewertung Tage nach dem Aufenthalt endlich abgegeben habe. Kennen Sie das auch?

Der Hoteltester in uns
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