Handelsblatt Artikel: „Nachgerechnet – Abschied von der Gold Card“ – klar verrechnet.

Auf Handelsblatt online war heute ein Artikel in der eigentlich ganz interessanten Rubrik „nachgerechnet“ zu lesen. Hier werden meistens Angebote von Banken mal einem Fakten-Check unterworfen, der meist für die Produkte nicht so gut ausfällt. Der aktuelle Artikel „Abschied von der Goldcard“ ist aber das lesen nicht wert. Die Überschrift lässt erwarten, dass es um Goldkarten allgemein geht oder dass einige Karten detailiert „auseinander genommen“ werden. Dem ist nicht so.

In dem Artikel geht es ausschließlich um die „Miles & More Business plus“-Card der Lufthansa, herausgegeben von der DKB. In dem Artikel wird recht oberflächlich dargelegt, dass die Karte 95 € jährlich kostet, dass man die Mietwagen-Vollkasko-Versicherung bei z.B. Sixt spart (aber ja „nur ca. 3 Euro am Tag)“ und dass die Reiserücktrittsversicherung ja nur greift, wenn man auch mit der Karte gezahlt hat. Die integrierte Auslandsreisekrankenversicherung kommt zwar gut weg, wird aber gleichzeitig mit einer einzeln abschließbaren Versicherung zum Preis von ca. 15 € verglichen.

Was der Artikel unter den Tisch fallen lässt.

  • Man spart als Inhaber dieser Kreditkarte bei der Miete von Sixt Autos 10% auf die Internet-Tarife (Jeder, der schonmal die Zettelwirtschaft bei anderen Vermietern hatte, weiß was er an Sixt hat.)
  • Man sammelt Lufthansa Meilen beim Zahlen und für die Miete bei Sixt (500 Meilen extra) und diese verfallen nicht.
  • Die Selbstbeteiligung bei der Mietwagen-Vollkasko-Versicherung liegt nur bei 230 € im Vergleich zu 850 € im günstigsten Fall der Versicherung über Sixt – dass 230 € angenehmer sind als 850 €? Peanuts für die Autorin.
  • Es gibt oft kostenlose Abos für Lufthansa Kreditkarteninhaber (ich lese seit Jahren den Fokus kostenlos)
  • Kontoauszüge per Post kosten 12 € im Jahr – „Lohnt sich das noch?“ fragt die Autorin – ja wer macht denn noch kein Online Banking frage ich.
  • ….

Man kann leider klar erkennen, dass der Artikel von vornherein das Ziel hatte, ein negatives Ergebnis zu erzielen. Es wird völlig ignoriert, wofür man eine Kreditkarte hat – nämlich um damit zu zahlen. Es ist doch völlig in Ordnung, dass die Reiserücktrittsversicherung nur gilt, wenn man damit zahlt. Man zahlt seine Reisen meistens sowieso mit Kreditkarte. Allein für einen Flug nach Thailand kostet eine Reiserücktritttsversicherung schon einmalig bis zu 90 Euro. Für eine Person wohl gemerkt. Die Versicherung bei Lufthansa gilt aber für bis zu vier Mitreisende. Wenn man mehrmals im Jahr reist, summiert sich das weiter.

Die Prämien für die Lufthansa Meilen machen für die Autorin „nicht so viel her“. Das ist natürlich eine sehr valide Aussage. Gut das Programm und der Wert der Meilen haben in den letzten Jahren gelitten, aber dass man bei regelmäßiger und – bei der Zielgruppe der Karte sicher normalen – intensiven Nutzung der Karte in Kombination mit anderen Miles & More Angeboten (z.B. Payback Meilen-Abo, Telekom-Rechnung…) fast alle 2 Jahre kostenlos durch Europa fliegen kann? (Preis ca.48.000 Meilen inkl. Steuern) Unwichtig.

Ein offener und differenzierter Artikel hätte festgestellt: „Diese Karte lohnt sich für eine spezielle Zielgruppe mehr als deutlich.“ Ich miete 7-8 mal im Jahr bei Sixt und habe die Karte nur deshalb und es lohnt sich schon. On Top erhalte ich Fokus-Abo, Reiserücktrittsversicherung, Auslandskrankenversicherung, Meilen…

Soweit meine Kritik nur zu dem Umgang mit der besprochenen Lufthansa-Kreditkarte. Der Artikel weist aber, wie eingangs beschrieben, noch weitere Schwächen auf. Es geht in Überschrift und Beschreibung um Goldkarten allgemein. Es gibt aber zig verschiedene Goldkarten in Deutschland von denen sich manche lohnen und manche weniger. Ein gutes Beispiel im Kontext Lufthansa Card ist die neue Germanwings Goldkarte von Barclaycard. Diese kostet nur halb soviel wie die Lufthansa Karte und ermöglicht kostenlose Bargeldabhebungen und Kartenzahlungen weltweit und ebenfalls wie in einem früheren Artikel beschrieben, fast vergleichbare Versicherungsleistungen wie die „Miles & More Business plus“. Aber solche Beispiele haben vermutlich auch nicht ins Konzept des Artikels gepasst. Schade.